Was mir vielmehr Angst macht als der voraussichtliche Wahlsieg Hofers ist die zunehmende Polarisierung, die zunehmende Salonfähigkeit von inhaltsloser Phrasendrescherei, die weitgehende Akzeptanz einer Nichtgesprächskultur. Angst war für mich bisher eigentlich ein eher fremdes Gefühl (wenn man von der Dunkelheit unter dem Bett nach einem Horrorfilm absieht), besonders Angst vor der Zukunft ist mir neu. Von daher finde ich es schon auch interessant, was Angst mit mir macht. Sie aktiviert alle meine Urinstinkte und lähmt mich, meine Tendenzen schwanken zwischen davonlaufen, angreifen und verstecken. Mein Pessimismus sagt: in Wahrheit haben die Populisten schon lange gewonnen, können sie nur gewinnen, weil man sie weder ignorieren noch mit ihnen diskutieren kann und weil der Schnelllebigkeit der Zeit angemessen niemand mehr an aufwendigem Diskurs und echter inhaltlicher Beschäftigung interessiert ist.
… Es gibt ja keine Kunst, die von mehr als drei Prozent der Leute in einem Land gut gefunden wird. Wenn ich eine Million Platten verkaufe in Deutschland, dann haben 1,25 Prozent der Bevölkerung meine Platte gekauft. Wenn einer vier Millionen verkauft – was unmöglich ist – dann sind es fünf Prozent. Das heißt aber, dass 95 Prozent diese Platte immer noch nicht gekauft haben.Ausgesprochen aufmunternd finde ich. Vor allem auch diese Theorie weiter zu spinnen, Ausdehnung auf jeden offenen Markt. Reichweite bedeutet in meinem Fall also nicht, dass z.B. möglichst viele Leute auf Jamendo meine Musik mögen, sondern dass ich einen Markt woanders finde, der möglichst viele Leute zu Jamendo bringt…
Vielleicht haben diese Leute die Musik aber schon illegal vom Internet runtergezogen.
Nein. (lacht) Das passiert nicht. Damit müssen auch die größten Superstars leben, dass noch immer 95 Prozent der Leute sagen: So ein Arschloch.

