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8. Februar 2012

Warum ich gerade als Kreatives Schaffender dem Urheberrecht skeptisch gegenüber stehe

Heute nehme ich Referenz auf einen Blogeintrag von Rechtsanwältin Nina Diercks von socialmediarecht.wordpress.com. Dort führt sie recht sachlich und relativ objektiv die aktuelle Lage des Urheberrechts, mit Einbeziehungen verschiedener Meinungen auf. Unter anderem bringt sie aber auch die These, von der Knebelung durch das Urheberrecht in Verbindung mit einer Aufspaltung in Nutzer und Schaffende in Verbindung.

Ich zitiere:
" ... wird aber heute von den Befürwortern des freien Internets immer wieder argumentiert, dass der kreative Schaffens- und damit ein Innovationsprozess durch den Urheberrechtsschutz unterbunden wird. ... Advocatus diaboli mäßig behaupte ich an dieser Stelle auch einfach mal, dass diese Argumentation vorwiegend von Nutzern und nicht von Urhebern, also den kreativ Schaffenden, erbracht wird…"

Gerade als Musiker und auch sonst wie Kreatives Schaffender muss ich an dieser Stelle energisch aufschreien und widersprechen. Für reine Nutzer gibt es reichlich Mittel und Wege um die begangenen eventuellen Urheberrechtsverletzungen zu umgehen oder zu verschleiern. Will man aber Neues oder Neueres schaffen, so will man ja auch publizieren. Ich brauche dazu jetzt gar nicht allzu weit auszuholen. Dass Thunderbolt für ein ganzes Jahr nur von Apple gebaut werden durfte ist z.b. eine Sauerei. Und noch eine merkwürdigere Erinnerung: Vor ein paar Jahren gab es tatsächlich Bestrebungen den Fortschrittsbalken zu patentieren. Und schließlich schwinge ich auch noch einmal die Pop-Art-Keule (siehe z.B. diesen Beitrag der Zeit). Kein Künstler der Gegenwart könnte sich eine mit Andy Warhol vergleichbare Bildsprache leisten, zu einseitig ist die gängige Rechtssprechung.

Was für Konzerne ein Innovationshindernis sein kann, kann aber für Künstler schon einem Berufsverbot gleichkommen. Man stelle sich nur einen Musiker vor, dessen aktueller Ohrwurm mehr oder weniger zufällige Ähnlichkeiten mit dem aktuellen Nr. 1 Hit hat. Weiß der Musiker nichts davon (das könnte bei mir leicht der Fall sein), dann wird er nach Veröffentlichung seiner neuesten Kreation womöglich in den Konkurs geklagt. Ist sich der Musiker der Ähnlichkeit bewusst und nimmt Kontakt zu den Rechteinhabern auf, dann kann es nur allzu leicht passieren, dass diese die "Bearbeitung" gar nicht erst gestatten.

Gerade als kreativ Schaffender ist für mich der übergriffige Urheberrechtsschutz ein Innovationshindernis. Für Aussenstehende mögen Ideen, sei das jetzt auf Software oder Musik, Text oder Bild bezogen, tatsächlich innovativ erscheinen. Für Menschen, die sich tief in der Materie vergraben haben, sind scheinbare Errungenschaften aber oft nur trivial und unumgängliche Weiterentwicklungen, die mehr einem Zeitgeist, als einem Individuum zuzuschreiben sind. Wer dann letztlich zuerst veröffentlicht, bzw. die Idee vermarktet, das hat nichts mit Kreativität, sondern lediglich mit wirtschaftlicher Gewandtheit zu tun.

Wo Zitate und ähnliche Konstrukte für alle Beteiligten offensichtlich sind, da empfinde ich eine den Umständen entsprechende Würdigung als angemessen. Wo aber die "Bearbeitung" mehr unbewusst als bewusst erfolgt, oder gerade im künstlerischen Umfeld z.b. eine Collage vor allem auf den aktuellen Zeitgeist Bezug nimmt, da empfinde ich das derzeit praktizierte Urheberrecht als zu stark und effektiv die wirtschaftlich Stärkeren fördernd.

Ich oute mich hiermit als Künstler, der sich von den Scheuklappen der Verwertungsindustrie gefesselt und seiner Kreativität beraubt fühlt. Und das trifft auf so gut wie jeden echten Künstler zu, die meisten verspüren aber leider nur das taube Gefühl und können es nicht richtig einordnen.

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